Sonntag, 18. Dezember 2011

Erinnerungsloch und der fade Geschmack von Papaya



Über ein halbes Jahr war es nun her, dass wir uns wieder sahen, redeten und lachten.
Als ich nun vorsichtig die Holztreppen hinab ging, stieg mir der süßliche Geruch von Alkohol in die Nase. Der stechende Zigarettenqualm störte mich dabei nicht.
Die Musik wummerte bereits laut durch den Raum.
Alle blicken uns an, sobald wir am Ende der Treppe angelangt waren.
Man begrüßte sich mit Handschlägen, Umarmungen, Lächeln.
Die ersten Drinks wurden ausgegeben.
Nun gab es nichts außer dieser Party, einer Party im Keller eines Kumpels.

"Hey hast du mal wieder was von dem gehört?"
"Warst du letztens bei dem auf der Party?"
Belangloses Gerede von irgendwelchen Leuten, auf irgendwelchen Partys, mit irgendwelchen Alkoholabstürzen, die mich nicht interessierten, wurden nun zum Gesprächsthema.
Ich nahm also mein Glas, nippte kurz dran, schaute in die Runde
und unsere Blicke trafen sich.
Etwas war anders. Das war nicht mehr der Blick, wie an dem Abend, als wir auf der Holzbank am Bootshaus saßen, nett geredet und etwas getrunken haben.
Deine Augen funkelten, doch ich wusste nicht warum.
Skeptisch sah ich dein Freund an. Der, der dich am besten kannte, doch der grinste nur.
Meine Hand bewegte sich wieder in Richtung meines Glases.
Ich trank es in einem Zug aus.
Und bekam gleich wieder etwas eingegossen.

Die Shisha wurde angemacht und ein süßlicher,
fruchtiger Geruch zog sich nun durch den Raum.
Als der Schlauch bei mir ankam, lehnte ich ab. Mit sowas wollte ich nichts zu tun haben.
Aber es war schon interessant wie alle kleine Rauchringe machen konnten.


"Erinnerst du dich noch dran, wie wir im Sommer
eine Flasche Tequila zusammen ausgetrunken haben?"
Nein, daran konnte ich mich nicht mehr erinnern. Noch nichtmal an die Tatsache, dass ich damals Tequila getrunken haben soll. Geschweige denn eine ganze Flasche nur zu zweit.
"Was? Echt nicht? Man das war doch richtig lustig.
Aber nicht dass du heute wieder so viel trinkst."
Nein, das hatte ich nun wirklich nicht vor. Ich wollte euch einfach nur wieder sehen.
Wollte bei euch Zuflucht suchen. Mich irgendwo geborgen fühlen.
"Erinnerst du dich, dass du ständig jemanden umarmt hast, als du betrunken warst? Ja mich hast du richtig oft umarmt. Dein Freund hat schon gedacht du stehst auf mich."
Was? Nein, daran konnte ich mich nicht entsinnen. Verdammt was hab ich denn in dieser Nacht, auf der Geburtstagsparty alles getrunken?
Und was hab ich in diesem Zustand alles angestellt, was hab ich dir damals angetan?
Du wolltest es verhindern richtig? Du hast mich gebeten nicht mehr zu trinken, das könnte mein Körper noch nicht ganz verarbeiten.
Und trotzdem muss ich wohl so viel Alkohol getrunken haben, dass ich mich an fast nichts mehr von dieser Party im Sommer erinnern kann.

Das ist dann wohl mein erstes richtiges Erinnerungsloch!
Na herzlichen Glückwunsch!

Als mir das bewusst wurde, war ich so verwirrt und hab ihn einfach nur angestarrt.
Und dann dich. Die ganze Zeit hast du nichts gesagt, mich nicht angeguckt.
Aus Frust greif ich zur Shisha, nehme einen großzügigen Zug.
Meine Lunge füllt sich mit Rauch.
Und ich stoße ihn aus, vor mir bilden sich Rauchschwanden.
"Was soll das noch mal für eine Geschmacksrichtung sein?"
"Also eigentlich Papaya!"
Nur hab ich das nicht wirklich geschmeckt. Ich nehme noch ein Zug, viel länger als der erste, so dass es im Rachen schon kratzt und stoße den Rauch erneut raus.
Nein, nichts, kein Geschmack.
Ich wiederhole den Vorgang mehrmals, aber jedes Mal passiert nichts.
Irgendwas muss ich wohl falsch gemacht haben.



Ihr lächelt mich beide an und in dem Moment fällt mir auf, dass alle anderen schon gegangen sind, zu einer anderen Party, irgendwo in Mitte.
Sollen sie nur machen, ist mir egal. Hauptsache ich bin bei euch, bei dir.
Es tut unheimlich gut, wieder neben dir sitzen zu können, dein Lachen zu sehen, deine Stimme zu hören, einfach nur zu wissen ich bin dir nicht ganz egal.
Und so reden und trinken wir weiter, bis tief in die Nacht, bis unsere Gläser und die Flaschen leer sind.

Bald schlaf in angelehnt an deiner Schulter ein, nehme eure Stimmen nur noch gering war.
Doch merk ich wie du mich nah an dich ran ziehst, deinen Arm um mich legst und dabei immer wieder über mein Kopf streichelst.
Das fühlt sich gut an, sehr gut.
Ich will nie wieder gehen, nie wieder in den Alltag, nicht mehr weg von dir!

Panisch wache ich auf, hab geträumt ihr seid weg, habt mich allein gelassen.
Doch deine Stimme ist so beruhigend und deine Nähe so angenehm, dass ich nach einer Weile meine Augen wieder schließe.
Und ich merke wie du nun meine Schultern schreichelnst und nach einer Weile runter zu meiner Hüfte wanderst.
Du hast eine Freundin, das war mir klar, aber es bin ja nicht ich, sondern du machst es.
Demnach kann nichts schlimmes daran sein.

Später wach ich erneut auf, schaue schnell auf die Uhr: 2.40.
Nein, jetzt fahr ich nicht noch nach Hause.
"Du kannst bei mir übernachten wenn du willst!"
Das erste Mal seit langem sagst du was, lächelst. Nicke stumm.
"Ja cool, dann fahr ich mal Poker spielen!"
"Was? Jetzt noch?"
"Klar, ich habs versprochen!"
Und meine Laune sinkt, meine Hoffnung ist auf dem Nullpunkt.
Du gehst, verabschiedet dich von mir, von deinem Kumpel.

Wir gehen die Treppen rauf, in dein Zimmer, in dein Bett.
Alles lass ich an, nehm Abstand von dir. Will nur noch schlafen, schlafen und zurück zu ihm.
Doch auf einmal lieg ich in deinem Arm, meine Lippen auf deinen.
"Ich kann nicht!"
"Warum nicht?"
"Es fühlt sich so falsch an!"
Mehr will ich einfach nicht sagen, alles nur noch vergessen, nie wieder dran denken.





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