Schreie hallen durch die nächtliche Stille. Türen knallen.
Ein leises Schluchzen dringt an ihr Ohr. Sie schließt die
Augen und hofft es wäre endlich vorbei. Doch es hat
gerade erst angefangen. Das alles ist erst der Anfang
einer langen unruhigen Nacht.
Eine Tür geht auf. Schritte sind zu hören. Eine Person
mit tiefer Stimme redet. Undeutlich. Ein wenig verzerrt
gelangen die Worte an ihr Ohr. Es sind die üblichen
Versprechen wie jede Nacht. Jede Nacht diese
schmeichelnden Worte. Dieser Lügner. Dieser Idiot.
Er schafft es immer wieder.
Sie glaubt ihm. Sie steigt in das Boot der Lügen und
fährt auf dem Wasser der Versprechungen.
Das Schluchzen hört auf. Stille kehrt ein. Sie macht die
Augen zu und hofft dass es vorbei ist.
In ihren Träumen schwebt sie dahin. Sie ist in ihrer
eigenen kleinen Welt. Für einen kurzen Moment ist alles
vergessen. Nichts ist passiert.
Ein greller Schrei zerstört diesen Gedanken. Wie ein tiefes
Donnergrollen halt es durch das Haus. Sie hört die zwei
Stimmen streiten. Ein hitziges Wortgefecht entflammt und
keiner gibt auf. Ein Knallen. Hand auf Haut. Es bringt sie
zum schweigen. Er hat das Sagen. Das zeigt er ihr.
Sie überspielt den Schmerz. Sie versucht zu lächeln. Ihr
Gesicht ist verzehrt. Er lässt erneut die Hand auf sie
niederprallen. Wieder und immer wieder. Sie wimmert.
Leise und dann lauter. Sie weint. Sie schreit.
Er lässt von ihr ab. Er geht.
Langsam legt sie ihren Kopf in ihre Knie. Leise. Ganz
leise weint sie in die Stille der Nacht..
Ihre Tür öffnet sich. Eine Gestalt tritt ein. Sie setzt sich
auf ihre Bettkante. Streicht ihr über das Gesicht.
"Es tut mir leid mein Schatz. Er will das alles gar nicht.
Bald wird alles gut. Das verspreche ich dir."
Ihre Tränen tropfen auf ihr Gesicht. Brennen unerträglich.
Sie erhebt sich. Verlässt den Raum.
Nein. Es würde nicht gut werden. Nichts würde mehr gut
werden. Es war zu spät. Die Schrei sagten alles. Ihr
Flecken übersäter Körper sagte alles. Die Alkoholflaschen
in der Ecke sagten alles. Er würde nicht aufhören. Er würde
weiter machen. Immer wieder. Nacht für Nacht.
Sie konnte nichts für ihre Mutter tun. Sie war nur ein Kind.
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